Wald und Gesundheit
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Der Wald ist für die menschliche Gesundheit viel wichtiger als man vielleicht zunächst vermutet. Er ist mit seinen vielfältigen Ökosystemleistungen ein Garant unserer Lebensgrundlagen: Er spendet saubere Luft, Trinkwasser, Lebensmittel und Heilpflanzen.
Wälder sind wichtige Bausteine eines wirkungsvollen Klimaschutzes, denn durch ihr Wachstum entziehen sie der Atmosphäre Kohlendioxid (CO2) und produzieren Sauerstoff (O2). Ein großer Teil des Kohlenstoffbestandes ist in Wäldern gespeichert.
Bäume bieten einen natürlichen Hitzeschutz und tragen zur Abmilderung von Extremwetterereignissen bei. Blätter und Nadeln der Bäume schlucken Schall, schirmen vor Lärm ab.
Aber der Wald kann noch viel mehr:
Der von FOREST EUROPE 2019 herausgegebene Forschungsbericht "Menschliche Gesundheit und nachhaltige Waldbewirtschaftung" fasst zusammen (Übersetzung aus dem Englischen):
Schlüsselmechanismen des gesundheitlichen Nutzens von Wäldern
Quelle: FOREST EUROPE 2019, Human Health and Sustainable Forest Management"
©FNR 2023
"Es gibt starke Belege dafür, dass Waldbesuche einen positiven Einfluss auf Erholung und psychisches Wohlbefinden haben, die Stimmung und Aufmerksamkeit verbessern und die Stressbewältigung fördern. Es ist außerdem erwiesen, dass Spaziergänge in der Natur kurzfristig stärkere kognitive Vorteile bieten als Spaziergänge in städtischen Wohngebieten. Es gibt auch zahlreiche Belege für die potenziellen Vorteile des Kontakts mit der Natur zur Vermeidung von Gesundheitsproblemen, die auf chronischen Stress und Konzentrationsermüdung zurückzuführen sind. Ebenso mehren sich die Hinweise darauf, dass Waldbesuche positive physiologische Effekte haben, wie z. B. die Senkung von Blutdruck und Pulsfrequenz, die Reduzierung des Cortisolspiegels und die Dämpfung der Aktivität des sympathischen Nervensystems. Selbst kurze, wiederholte Besuche im Grünen können aufgrund der Stressbewältigung zu positiven Veränderungen der kardiovaskulären Risikofaktoren führen.
Wald ist Ursprünglichkeit.
Und ursprünglich kam der Mensch aus dem Wald.
Vielleicht kommt daher die große Verbundenheit des Menschen, insbesondere der Deutschen, zu ihrem Wald.
Was die sozialen Vorteile betrifft, so ist anerkannt, dass die sozialen Kontakte, die während eines Waldausflugs geknüpft werden, Menschen dazu anregen können, diese Aktivität zu wiederholen und sich auch in Zukunft mit dem Wald auseinanderzusetzen. Der Austausch mit Freunden und die Stärkung sozialer Beziehungen erwiesen sich als wichtig in waldbezogenen Bewegungsprogrammen. Soziale Kontakte zwischen Kindern beim Spielen im Freien können sich positiv auf ihre sozio-emotionale Entwicklung auswirken und den sozialen Zusammenhalt fördern. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Kinder in ländlichen, naturnahen Umgebungen positive soziale Verhaltensweisen zeigen. Drei Kategorien wurden identifiziert, in denen soziale Kontakte einen wichtigen Bestandteil eines Waldbesuchs darstellen und positive Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden haben: (i) Stärkung sozialer Beziehungen, (ii) Aufbau neuer sozialer Beziehungen und (iii) Teilhabe und Stärkung der Gemeinschaftsstrukturen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Wissenschaftler die direkten Auswirkungen des Waldaufenthalts auf die körperliche Gesundheit (z. B. gemessen an Blutdruck, Body-Mass-Index, Genesungsraten nach Operationen, Morbidität und Mortalität), das psychische Wohlbefinden und die Lebenszufriedenheit sowie psychische Belastungen und deren Bewältigung untersucht haben. Die Gesamtaussagen dieser Studien sind positiv, obwohl einige aufgrund unzureichender Forschungsdesigns und methodischer Mängel kritisiert wurden."
Waldbaden
Was Förster seit langem als "Erholungsfunktion" des Waldes beschrieben hatten, erobert seit einigen Jahren in seiner Variante "Waldbaden" die Welt.
Waldbaden - Entspannung und Erlebnis mit allen Sinnen
Quelle: Waldwissen.net ©Foto: Tobias Bosch
Waldbaden hört sich nach Entspannung an; und darum geht es auch: Waldfreunde und -genießer erleben es regelmäßig im Wald, dass frische Waldluft und "durchatmen" lässt. Die Stille, aber auch das Vogelgezwitscher wirkt beruhigend auf unsere im Alltag doch allzuoft gestressten Nerven. Wer sich im Wald aufhält, bewegt sich meist, und das ist fraglos gesund. Und wer den Wald so auf sich wirken lässt, kann die Gedanken schweifen und die Seele baumeln lassen.
Der aus dem Japanischen kommende Begriff "Shinrin-yoku" bedeutet folgerichtig auch das "Baden in Waldluft". Neu daran ist, dass japanische Wissenschaftler mit nachprüfbaren Methoden untersuchen, warum uns und unserer Gesundheit der Wald so gut tut.
1982 empfahl die japanische Forstverwaltung "Waldbaden" in einen guten Lebensstil einzubinden. Seither ist es zu einer anerkannten Methode zur Entspannung und Stressbewältigung in Japan geworden.
Waldbaden: Gemeinsame Gymnastik in der frischen Waldluft
©Foto: Dr. G. Strobel
Die Ergebnisse von japanischen Studien belegten, dass Waldbaden die Vitalität steigert und die Kennwerte für Angst, Depression und Wut vermindert. Regelmäßiges Waldbaden kann das Risiko psychosozialer Stress-Krankheiten vermindern. Nachgewiesen wurde in den Studien auch, dass der Aufenthalt im Wald die Bildung von so genannten Killerzellen fördert. Diese sind den Studien zufolge lange über den Waldaufenthalt aktiv und bekämpfen nicht nur körperfremde Keime, sondern auch körpereigene Krebszellen.
Waldmedizin ist in Japan eine anerkannte wissenschaftliche Disziplin, die an Universitäten und Hochschulen erforscht und gelehrt wird. Das Waldbaden ist sowohl in Japan als auch in den USA eine von den staatlichen Behörden anerkannte Therapie.
Informationsquellen
