Bei guten Qualitäten gute Preise
Neun Jahre sind vergangen seit dem ersten Versuch der Forstbetriebsgemeinschaft Welzheimer Wald am Hagerwaldsee, das verstreut anfallende Nadelholz aus dem Kleinprivatwald Holzeinkäufern auf Sammellagerplätzen gebündelt anzubieten. Heute ist daraus die größte Nadelwertholzsubmission Süddeutschlands erwachsen, bei der fünf benachbarte Landkreise unter der Regie der Holzvermarktungsgemeinschaft Schwäbischer Wald | Ostalb e.G. (HVG) zusammenarbeiten. Seither findet diese Vermarktungsform immer mehr Interesse - sowohl seitens der FBG-Mitglieder als auch der Holzeinkäufer, die zum Teil weite Wege in den Schwäbischen Wald auf sich nehmen.
Begrüßung auf dem Sammellagerplatz Kaisersbach
durch FBG-Vorsitzenden Rainer Eisenmann
Foto: Dr. G. Strobel
Seit vergangenem Jahr hat der zentrale Platz südlich Kaisersbach einige kleinere Vorgänger-Plätze abgelöst: Hier die Verkehrsanbindung und die Präsentationsmöglichkeiten geradezu optimal.
Diese Auffassung vertreten der Vorsitzende der FBG Welzheimer Wald, Rainer Eisenmann, und der Kaisersbacher Bürgermeister Michael Clauss bei ihrer Begrüßung. Dass sogar zwei Kunden aus China auf dem Platz aufgetaucht seien, spreche dafür, dass diese Nadelwertholzsubmission den Kinderschuhen entwachsen sei.
Der Vorstand der Holzvermarktungsgemeinschaft Schwäbischer Wald/Ostalb Frank Hofmann zeichnet dennoch ein "durchwachsenes" Resümee: "Die teuerste Fichte ist bei dieser Submission für rund 2.000 Euro 'über die Ladentheke' gegangen; für ähnliche Dimensionen sind aber auch schon nur gut 100 Euro geboten worden."
Der Markt sei gerade regelrecht zweigeteilt: "Gute und sehr gute Qualitäten haben seit 2025 im Preis nochmals zugelegt, aber im unteren Qualitätsbereich sind die Preise weggebrochen." Wenn dann noch die Beifuhrkosten abgezogen würden, werde das rasch zu einem Verlustgeschäft.
Bei den guten Qualitäten sei die Nachfrage am Markt entsprechend hoch. Bei mäßigen Qualitäten schlage die lahmende Baukonjunktur durch; hier sei die Nachfrage entsprechend gering.
HVG-Vorstand Frank Hofmann skizziert die Holzmarktlage
Foto: Dr. G. Strobel
Insgesamt wurden auf dem Submissionsplatz Kaisersbach 201 Stämme mit zusammen 292 Fm und 474 Tannen mit zusammen 694 Fm angeboten. Der Durchschnittserlös der Tanne ist von 194 (2025) auf 180 Euro zurückgegangen, bei der Fichte hingegen von 234 auf 255 Euro angestiegen.
Eine Anekdote am Rande: Dass es kurz von dem Submissionstermin im Welzheimer Wald heftig geschneit hatte, kam den Organisatoren gar nicht recht. Wie sollten die Holzkäufer so die Stämme begutachten? Hatte man zunächst an händisches Freikehren gedacht, wurde diese Idee ob der vielen hundert Stämme rasch fallen gelassen. Ob man nicht einfach die Stämme maschinell 'drehen' könnte ...? Gesagt, getan, funktioniert! "Mit Kosten von einem Euro je Stamm hat sich das wirklich gelohnt, denn so kamen die Käufer, die sonst einen Bogen um Kaisersbach gemacht hätten", freut sich Hofmann.
Friedemann Friz nimmt den Holzfehler "Buchs" ins Visier
Foto: Dr. G. Strobel
Beim anschließenden Platz-Rundgang, werden wegen der rund 90 Teilnehmenden vier Gruppen gebildet, die Frank Hofmann und die Försterin Tamara Köngeter sowie die Förster Friedemann Friz und Gert Pfeiffer kenntnisreich führen. Anhand von Einzelbeispielen werden die Holzqualitäten besprochen, aber auch, was die Holzkäufer bevorzugten oder offenbar gar nicht schätzten.
Friedemann Friz erklärt von manch erstauntem Gesicht: "Die Stamm-Bewertung wird immer 'von oben' gemacht!" Erfahrene Holzeinkäufer nähmen nicht selten am Wochenende ihre Frau mit, die - von der Stammfußseite - die Stammnummer notiere, während sich ihr Ehemann den Baum von der dünnen Seite her anschaue. Warum das?
"... weil er von dort am Besten den schlimmsten aller Holzfehler erkennen kann, den Buchs!"
Buchs - auch Druck- oder Reaktionsholz - genannt, entsteht, wenn der Baum einseitig belastet wird - etwa am Hang, besonders am Rutschhang oder in einer Trauf-Situation, wenn die Krone einseitig ausgebildet ist. Die Stärke des Baums spielt hier keine Rolle. Der Baum bildet dann auf der Druckseite sehr enge, dichte rotbraune Jahrringe. "Das Problem entsteht dann nach dem Sägen und Trocknen, denn dann verzieht sich das Brett mitunter zu einem Korkenzieher. Dann taugt es natürlich nicht für eine höherwertige Verwendung."
Der Teufel liegt manchmal im Detail
Foto: Dr. G. Strobel
Am Beispiel eines Baum'paares', zwei nebeneinander liegende Fichten ähnlichen Durchmessers, die beide vom selben Kunden gekauft wurden, veranschaulicht er die Auswirkungen auf den Preis: "Dieser Baum A erbrachte einen Erlös von 500 Euro je Festmeter und sein Pendant B nebenan wurde gerade einmal mit 182 Euro beboten." Einziger Unterschied sei ein gewisser Grad an Buchsigkeit beim Baum B gewesen. Eine dritte Fichte ähnlicher Dimension, aber noch 'buchsiger', verlässt den Platz zum Preis von 95 Euro. "Da lohnt es sich für den Waldbesitzenden nicht, diese auf den Platz zu fahren."
Plakativ fasst er zusammen: "Ein Baum guter Qualität kann gar nicht dick genug werden und wird immer verkäuflich sein. Ein Baum schlechter Qualität darf aus wirtschaftlichem Blickwinkel hingegen gar nicht dick werden."
Interessiertes und konzentriertes Publikum
Foto: Dr. G. Strobel
Wie als Beispiel bestellt, liegt als Nächstes eine eher schwache Fichte guter Qualität, die dennoch einen Preis von 152 Euro je Festmeter erzielte. "Die hatte auch noch weiter wachsen dürfen," meint Friz augenzwinkernd.
Beim anschließenden zünftigen Vesper auf dem Platz schreibt Friedemann Friz den Waldbesitzenden seine Kernsätze zusammenfassend 'ins Stammbuch':
Themen-Boxen
Die Submissions-Ergebnisse in Zahlen
Gesamte Stammholzmenge: 3.496 Fm
(Vorjahr: 4.203 Fm)
Insgesamt wurden 2.941 Festmeter beboten
Fm gesamt (in Klammern: Fm verkauft)
Holzkäufer (Bieter):
15 Firmen haben sich an der Submission beteiligt
(13 aus Deutschland, 2 aus Österreich)
Teuerster Stamm:
eine Tanne von ForstBW
zu 558 Euro/Festmeter
bei einem Stammvolumen von 4,07 Festmetern
insg. 2.271 Euro
Teuerster Stamm nach BA
(in Klammern: Durchschnittspreis)
Erkenntnisse aus der Submission 2026
Haupt-Holzfehler der Fichte
(Reihenfolge der Relevanz)
Haupt-Holzfehler der Tanne
(Reihenfolge der Relevanz)
Ratschläge für FBG-/ HVG-Mitglieder
Lagerplätze Nadelwertholz-Submission
Holzverkaufsorganisation
Die Holzvermarktungsgemeinschaft Schwäbisch-Fränkischer Wald < Ostalb e.G. (HVG) wurde als Dachorganisation der gesamten gemeinschaftlichen Verkaufstätigkeiten für Rundholz aus Privat- und Körperschaftswald in den Landkreisen Schwäbisch Hall, Rems-Murr-Kreis und Ostalbkreis mit zusammen 39.500 ha Waldbesitz am 29. April 2021 gegründet. Ihr gehören die Forstbetriebsgemeinschaften mit ihren Städten und Gemeinden an.
Ihre Ziele sind die Holzmengen-Bündelung, um am Markt mehr Gewicht zu haben, die Kostenoptimierung der Holzvermarktung, die Vermarktung aller Sortimente und ein Beitrag zur transparenten, rechtssicheren Vermarktungs-strukturen. Sie versteht sich als Dienstleister ihrer Mitglieder.
Geschichte der Nadelwertholz-Submission im Schwäbischen Wald
Aufbauend auf den jahrelangen Erfahrungen mit Laubholz-Submissionen wurde 2017 ein erster Versuch mit einem dezentralen Nadelholz-Sammellagerplatz (SLP) Hagerwaldsee gestartet, der von der Fachwelt sehr positiv aufgenommenen wurde. Ziel war und ist, dem Nachteil des weit verstreuten Nadelwertholzanfall im Kleinprivatwald des Schwäbischen Waldes mit eine Angebotsbündelung zu begegnen.
Mit dieser Erfahrung wurden in den Folgejahren weitere Sammellagerplätze mit wachsendem Umfang und stetig verbesserten Qualitätsanforderungen angelegt und dieses Konzept unter Ausweitung des Käuferkreises weiterentwickelt – Grundlage einer Submissionsvermarktung.
Das Konzept ist Ergebnis der kreativen Zusammenarbeit der Welzheimer Wald-Förster, allen voran Friedemann Friz und Gert Pfeiffer, mit Unterstützung der beiden damaligen Holzverkäufern des Kreisforstamts Rems-Murr-Kreis, Jürgen Sistermans-Wehmeyer und Frank Hofmann (heute HVG-Vorstand), und der Forstbetriebsgemeinschaft Welzheimer Wald mit ihrem für Innovationen immer offenen Vorstand unter der Leitung von Rainer Eisenmann.
Links
Bilderstrecke der Platzbesichtigung
